Nostalgie-Faktor: Um aufzufallen, werden im »Gösser Bräu« in Graz sonntags die Gerichte von Omas (und Opas) aufgetischt. © Sebastian Mittermeier

Nostalgie-Faktor: Um aufzufallen, werden im »Gösser Bräu« in Graz sonntags die Gerichte von Omas (und Opas) aufgetischt.

© Sebastian Mittermeier

Auffallen statt untergehen am Jobmarkt

Neue Kommunikationswege sind gefragt! Denn mittlerweile sind es Betriebe, die für (gute) Fachkräfte auf sich aufmerksam machen müssen. Ungewöhnliche Strategien, die Gastronomen aus der Versenkung holen, können dabei helfen.

von Alexandra Embacher, Alexandra Gorsche
29. Juli 2022

Aktuell gibt es auf dem Arbeitsmarkt viele offene Stellen im Gastgewerbe. Das klingt erstmal gut, wäre da nicht ein Problem: es gibt zu wenige Interessenten. Ist der Ruf von Hotellerie und Gastronomie einfach zu schlecht? Niedrige Bezahlung und familienunfreundliche Arbeitszeiten locken keine neuen Bewerber. Von Seiten der Arbeitgeber muss daher ein radikales Umdenken stattfinden, um dem Personalmangel und dem Fachkräftemangel Herr zu werden: attraktive Rahmenbedingungen wie die Vier-Tage-Woche, adäquate Mitarbeiterunterkünfte, Benefits wie Team- Aktivitäten, kostenlose Verpflegung, Vergünstigungen für Freizeitangebote als Goodies und vieles mehr sind angesagter denn je. Aber: Sie sind auch zu Klassikern geworden, heraus sticht man vielleicht noch mit dem schicken Dienstauto für den Küchenchef. Kurz: Es kostet oft, was es wolle, um sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren zu können. Dass interessante Zusatzangebote automatisch mehr Bewerber für offene Positionen bringen, ist aber ein Trugschluss. Es geht um die Aufmerksamkeit, um das Gesehen-Werden, um effizientes Recruiting – um Auffallen statt Untergehen.

Um die Ecke denken: Das Hotel auf der Turracher Höhe in Kärnten geht neue Wege, um Mitarbeiter zu gewinnen. © Hotel Hochschober
Um die Ecke denken: Das Hotel auf der Turracher Höhe in Kärnten geht neue Wege, um Mitarbeiter zu gewinnen.
© Hotel Hochschober

Die Kreativsten werden die Ersten sein

Was macht also auf einen Betrieb aufmerksam, wenn es Benefits und Goodies nicht mehr tun? Da wäre zunächst der attraktive Online-Auftritt. Neben der Übersichtlichkeit und aktuellen Informationen sind mobiloptimierte Webseiten ein Muss, da ein Großteil der Websuche heute per Smartphone läuft. Werden dann noch Online-Bewerbungsformulare und auf die Zielgruppe ausgerichtete Social-Media-Kanäle genutzt, so ist man dem modernen Recruiting schon einen kleinen Schritt näher. Vergessen sollte man auch nicht auf Netzwerke wie »Gronda«, auf denen sich Arbeitgeber aktiv präsentieren können und sich potentielle Bewerber tummeln. Im Grunde ist das alles aber nicht neu, mit diesen Herangehensweisen schwimmt man mit den anderen, ihnen jedoch nicht davon.

Guerilla-Aktionen deuten auf eine gewisse Innovationsfreude hin; man erhält mehr Sympathiepunkte als mit einer schnöden Zeitungsanzeige mit »Wir stellen ein . . .«.

Innovative, ungewöhnliche oder gar provokative Aktionen können hier helfen. Stichwort: Guerilla-Marketing. Überraschen und damit im Gedächtnis bleiben, ist hier das Motto. Doch Vorsicht: »Ein Irrglaube ist, dass Guerilla-Marketing-Maßnahmen günstig sind«, macht Klaus Laimer, Gründer der Agentur für kreative Markenarbeit, »Creative Tactics« in Salzburg, auf unerwartet hohe Kosten aufmerksam. Denn Vorbereitung, Durchführung und vor allem die Dokumentation machen Guerilla-Aktionen aufwändig.

Der Experte rät zudem, mutig und kreativ zu sein: »Wenn man alles zerdenkt oder komplett legal macht, wird es vermutlich weichgekocht und die Wirkung verfehlen. Humor geht klar vor. Lieber später entschuldigen, als vorher fragen.« Laimers Beispiel macht klar: Wer vor die Tür des Mitbewerbers mit Sprühkreide eine Stellenausschreibung sprayt, wird sich keine Freunde machen und eventuell sogar ein kleines Ordnungsbußgeld wegen »Verunreinigung im öffentlichen Raum« berappen müssen. »Sollte sich jedoch ein neuer Mitarbeiter damit akquirieren lassen, war es das vermutlich wert«, sagt er. Und auch die Imagewirkung für die eigene Marke kann sich zunutze gemacht werden. So deuten Guerilla-Aktionen auf eine gewisse Offenheit oder Innovationsfreude von Unternehmen hin; man erhält mehr Sympathiepunkte, als mit einer schnöden Zeitungsanzeige mit »Wir stellen ein . . .«.

Kopf hinter starken Ideen: Klaus Laimer ist Gründer der Agentur für kreative Markenarbeit, »Creative Tactics« in Salzburg. © glddggrs
Kopf hinter starken Ideen: Klaus Laimer ist Gründer der Agentur für kreative Markenarbeit, »Creative Tactics« in Salzburg.
© glddggrs

Der (un-)verfälschte Blick

Wer sich lieber an audiovisuelle Eindrücke für die neuen Fachkräfte halten will, der kann es mit Videos probieren. Von einigen Sekunden bis Minuten lang, von wenig bis hoch professionell – erlaubt ist im Grunde alles, was zur Zielgruppe und der gewählten Plattform passt. Einen originellen Blick hinter die Fassade hat bereits das Hotel »Hochschober« mit seinem zur neuen Employer-Branding-Strategie passenden Recruiting-Video »Agenten mit Talenten«gewährt. Mit der Lizenz zum Berühren, Rühren, Dekorieren, Servieren, Kreieren und Informieren ausgestattet, treten die Mitarbeiter im 007-Stil auf und vermitteln ein junges, frisches Bild des Hotels. Das mit Erfolg, wie Melanie Hauptmann, Assistentin der Geschäftsführung, beschreibt: »Die neuen Maßnahmen und das Video haben bewirkt, dass einige ehemalige Mitarbeiter zurückkommen wollen.« Und weiter: »Zusätzlich zu den laufenden Bewerbungen sind hochqualifizierte Initiativbewerbungen eingetroffen.«

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Auf ein Video setzte man auch an den Tourismusschulen am Wilden Kaiser, um nach dem zweiten Corona-Jahr wieder einen »Schnuppertag« für interessierte Jugendliche anbieten zu können. »Wir kamen auf die Idee, dass einem Hündchen das ›Schnuppern‹ wohl nicht verwehrt werden könnte«, schildert Schulleiterin Anita Aufschnaiter. Aus dem Spaß wurde schnell ernst und der Clip mit einem jungen Mini-American-Shepherd namens Flora gedreht und publiziert; Letzteres unter anderem auf Instagram durch eine Kampagne. Mit Konsequenzen, wie sich Aufschnaiter erinnert: »Ich wurde sogar anonym wegen möglicher Gefährdung durch einen freilaufenden Hund – die natürlich keinesfalls zu irgendeinem Zeitpunkt gegeben war – angezeigt.«

Die Folge daraus war ein kritischer Zeitungsbericht, der wiederum Anstoß dafür war, dass eine Lawine aus positiven Kommentaren die Schule auf Facebook und Instagram überrollte. Plus: Die Schüler starteten in Eigeninitiative und aus Begeisterung für das Video das »Bättl of Krawättl«, indem sie ihren Haustieren die Schulkrawatte umbanden und davon Fotos posteten. Um Schwierigkeiten von vorneweg zu vermeiden, gilt: »Generell sollte man genau darauf achten, in welchem Umfeld man die Aktion macht und dass es zur Markenpositionierung des Suchenden passt«, macht Laimer klar. »Idealerweise lässt man sich von Professionisten beraten, damit die Aktion nicht nach hinten losgeht.« Die Tourismusschule profitierte aber, man freute sich letztlich über steigende Schülerzahlen und beinahe 10.000 Views auf Instagram.

Erschienen in

Falstaff Profi Magazin

Nr. 02/2022

Zum Magazin

Lesenswert

Wer auf ein persönliches Kennenlernen auf Karriere-Events beim Recruiting setzt, könnte länger nach jungem Personal suchen. © Unsplash / Eric Prouzet

Wer auf ein persönliches Kennenlernen auf Karriere-Events beim Recruiting setzt, könnte länger nach jungem Personal suchen.

© Unsplash / Eric Prouzet

Fachkräfte

Recruiting: Wie man um die junge Zielgruppe erfolgsversprechend wirbt

Traditionelle Recruiting-Methoden punkten bei jungen Bewerber:innen wenig, dafür aussagekräftige Stellenausschreibungen und authentische Einblicke umso mehr. Darauf lassen zumindest die Ergebnisse einer Online-Umfrage schließen.

Ob per Laptop oder Smartphone: Mitarbeiter:innen findet man heute auch im Netz. © Unplash / Christin Hume

Ob per Laptop oder Smartphone: Mitarbeiter:innen findet man heute auch im Netz.

© Unsplash / Christin Hume

Fachkräfte

5 Tipps für die Online-Mitarbeitersuche

Die Online-Suche im Web ist im Grunde nicht neu, dennoch sollte man diese fünf Tipps beachten – um mit mithalten zu können und nicht im Job-Pool unterzugehen.

Hier noch ein Bier, dort noch ein Wein – ab wann ist es zu viel? © Unsplash / Louis Hansel

Hier noch ein Bier, dort noch ein Wein – ab wann ist es zu viel?

© Unsplash / Louis Hansel

Alkohol

Darf es noch ein Glas sein? Alkohol(-Sucht) und die Gastronomie

Der Gastronomie eilt ihr Ruf voraus: Sie soll eine der Branchen sein, in der Alkohol als ständiger Begleiter gilt. Doch warum soll das so sein – und welche Pflichten und Möglichkeiten haben Arbeitgeber:innen?

Bei Betrieben mit Profil wird bereits in der Stellenausschreibung klar, wofür sie stehen. © Unsplash / Louis Hansel

Bei Betrieben mit Profil wird bereits in der Stellenausschreibung klar, wofür sie stehen.

© Unsplash / Louis Hansel

Mitarbeiter-Führung

Appell der Hotel & Gastro Union: »Die Gastrobranche braucht Betriebe mit Profil.«

Ein attraktives F&B-Angebot und ein schönes Ambiente reichen für Gastro-Betriebe oft alleine nicht mehr aus, um zu überleben. Die Branchenorganisation Hotel & Gastro Union sagt: Motivierte Mitarbeitende sind der Schlüssel zum Wettbewerbserfolg.

Ein harmonisches Team ist das Herzstück jedes Hotels. © The Harmonie Vienna

Ein harmonisches Team ist das Herzstück jedes Hotels.

© The Harmonie Vienna

Auszeichnung

Spitzenreiter in Wien, Silber österreichweit: »The Harmonie Vienna« mit Innovationspreis ausgezeichnet

Das Boutiquehotel »The Harmonie Vienna« hat den Österreichischen Innovationspreis Tourismus für Initiativen zu innovativer Mitarbeiterführung und -entwicklung erhalten. Die Auszeichnung würdigt zeitgemäßes Rekrutieren und innovative Führungskultur in Touristik-Unternehmen.

Mehr als der Gute-Nacht-Papa sein. © Shutterstock

Mehr als der Gute-Nacht-Papa sein.

© Shutterstock

Nachwuchs

Arbeit im Gastgewerbe & Papa-Sein: 3 Tipps für mehr Zeit für den Nachwuchs

Die Personal-Managerin bei Advoservice, Anke Behrendt, verrät in drei Tipps, wie man endlich mehr Papa-Sein mit einem Job in der Gastronomie vereinbaren kann.

Meist gelesen

Ein höheres Gehalt wird wieder zum Jobargument. © Shutterstock

Ein höheres Gehalt wird wieder zum Jobargument.

© Shutterstock

Fachkräfte

Umfrage: Unsichere Lage bringt bei junger Generation starken Fokus auf das Gehalt

Die Whatchado-Umfrage zur Arbeitgeberattraktivität überrascht damit, dass interessante Aufgaben und Gehalt für junge Bewerber:innen wichtiger als Klimaschutz-Engagement und Möglichkeiten zum Home Office sind.

Dreamwork: Im »Zoku« stehen die Arbeitsatmosphäre und das Team-Bonding über allem. © Zoku

Dreamwork: Im »Zoku« stehen die Arbeitsatmosphäre und das Team-Bonding über allem.

© Zoku

Fachkräfte

Für Mitarbeiter:innen Sinn stiften: So setzen Sie den Kulturwandel in Gang

»Zoku« HR Coordinator Anna Haumer gibt fünf Tipps für den Start.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Christian Clerici, Alexandra Gorsche, Oliver Csendes, Katharina Mayer-Ertl und Paul Blaguss in der Diskussion

© vibe moves you

Automobil

VIDEO: Tourismus als game changer der Mobilitätswende

Um dieses Potenzial drehte sich die Diskussion im zweiten Panel »Gran Turismo Electric« auf dem von vibe und Audi veranstalteten Talk-Event »Challenge the Challenge«. Hier nachsehen!

In Balance: »Best Alpine Wellness« setzt auf die Kraft der Alpen und seiner Mitarbeiter:innen. © Daniel Zangerl

In Balance: »Best Alpine Wellness« setzt auf die Kraft der Alpen und seiner Mitarbeiter:innen.

© Daniel Zangerl

Fachkräfte

Know why: Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen über die Gewinnmaximierung stellen

Was bringt der Erfolg, wenn der Spaß auf der Strecke bleibt? Wenn man seine Arbeit einfach nur abspult, sie aber weder erfüllend ist, noch sinnvoll erscheint? Wer sich diese Fragen stellt, könnte in »Purpose Driven Organizations« die Antworten finden: Sie stellen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter:innen über die Gewinnmaximierung.

In der »teamgeführten Küche« wird ein Chef de Cuisine obsolet.

In der »teamgeführten Küche« wird ein Chef de Cuisine obsolet.

© www.photo-simonis.com

Fachkräfte

Arbeitswelt von morgen: Wenn die Küchenleitung überflüssig wird

Eine Küche ohne Küchenchef? Im Luxushotel »Sans Souci« funktioniert es durch ein »New Work«-Modell. Optimal eingesetzt, bringt das eine ganze Reihe an Vorteilen für den Wiener Betrieb.

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

© Shutterstock

Fachkräfte

Ein Personal-Manifest, das aufhorchen lässt

Wie das Gastgewerbe wieder mehr Mitarbeitende findet? Antworten auf diese Frage kommen von der Schweizer Hotel & Gastro Union, die einen Forderungskatalog aufgesetzt hat.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!